
Als Lisei Luftvogel 1971 im Ruhrgebiet geboren wurde, stand Westeuropa mitten in einer kulturellen Revolution. Ihre antagonistische Kindheit in den siebziger Jahren hat ihr Leben geprägt, Vielfältige Erfahrungen beeinflussten ihre Sicht auf die Welt nachhaltig. Bereits als Kind erkundete sie Europa und verbrachte mit zehn Jahren ein halbes Jahr in einem VW-Bus, mit dem sie quer durch Italien reiste, was ihre Liebe zu Sprachen und Kulturen weckte.
Ihre erste Fremdsprache war Italienisch, gefolgt von Englisch, Französisch, Latein und Russisch, die sie während ihrer Schulzeit in Deutschland lernte. Nach dem Abitur zog Lisei nach Perugia, wo sie Philosophie, Anthropologie und Akkadisch (Babylonisch und Assyrisch) studierte. Im Sommer arbeitete sie auf Künstlermärkten, als Straßenmusikerin (Akkordeon) oder als Postbotin.
Ihre Leidenschaft für Bewegung und Körperbewusstsein führte sie später zu einer Feldenkrais-Ausbildung in Mailand und Venedig. Zudem studierte sie an der Universität Venedig Arabisch und Jiddisch, um ihre kulturellen und sprachlichen Kenntnisse zu erweitern.
Liseis multikultureller Hintergrund und ihre familiären Wurzeln spiegeln die komplexen ethnischen und religiösen Identitäten Europas wider. Ihre Großeltern stammten aus unterschiedlichen religiösen und ethnischen Traditionen, was Liseis eigene Identität als Europäerin und „Bastard im positiven Sinne“ formte.
Neben ihrer schriftstellerischen Tätigkeit hat Lisei an der Jahreszeitschrift für Ästhetik Davar mit Artikeln über Walter Benjamin, Rainer Maria Rilke und Matsuo Basho mitgewirkt. Seit über zwanzig Jahren lebt sie in Ferrara, wo sie als Deutsch- und Feldenkrais-Lehrerin arbeitet. 2021 absolvierte sie einen Kurs für kreatives Schreiben bei der Textmanufaktur, der den Grundstein für ihren Roman „Anti“ legte, der im Mai 2023 veröffentlicht wurde.
Mit „Der Doppel-Schreier“ verbindet Lisei Luftvogel ihre umfassenden Kenntnisse und persönlichen Erfahrungen zu einem faszinierenden literarischen Werk, das die Leser in die vielschichtigen kulturellen und politischen Konflikte des Nahen Ostens entführt.
